Im Interview mit Martin Hübner
Über 43 Jahre an der Fachhochschule Dortmund …
… sind eine lange Zeit, die Martin Hübner immer in besonderer Erinnerung behalten wird. Auf seine Karriere an der FH Dortmund blickt er gerne zurück. In dieser Zeit durfte er so einiges erleben.
Als Dezernatsleiter „Facilitymanagement“ hat er die Fachhochschule seit vielen Jahren maßgeblich mitgestaltet. In seine Fußstapfen tritt nun Vera Kemper.
Im Interview spricht Martin Hübner über die Entwicklung seiner Arbeit, große Projekte und deren Herausforderungen und gibt Tipps für eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit internen und externen Kolleg*innen.
1. Sie haben über 43 Jahre an der FH Dortmund gearbeitet. Können Sie sich noch an Ihren ersten Arbeitstag erinnern und hätten Sie je gedacht, dass Sie dort so lange bleiben?
„Oh ja, ich kann mich sogar ganz genau erinnern an die beiden Kolleginnen, die mich empfangen haben und mir meinen ersten Kaffee an der Fachhochschule Dortmund gegeben haben. Es waren zwei sehr freundliche und wertschätzende Kolleginnen von denen ich eine zu meiner Abschiedsfeier in dieser Woche begrüßen darf. Tatsächlich habe ich damals überhaupt nicht daran gedacht, wie das Ende meines Berufslebens sein würde – warum auch mit 21 Jahren? Aber als ich 1981 an der Fachhochschule begonnen habe, konnte ich mir schon vorstellen, lange zu bleiben. Es war ‚damals‘ durchaus üblich, lange bei seinem Arbeitgeber zu bleiben.“
2. Welche Aufgaben als Dezernatsleiter Facilitymanagement haben Ihnen besonders Spaß gemacht? Gab es auch unliebsame Aufgaben?
„Es waren tatsächlich die Menschen – die, die ich als Vorgesetzter führen durfte und die, die mich als Vorgesetzte geführt haben und die Menschen, mit denen ich auch extern zusammenarbeiten durfte – bei denen ich eine besondere Freude verspüre. Mir war immer wichtig, dass ‚der Laden läuft‘ und wir uns im Dezernat gemeinsam bewusst waren, wie sinnstiftend unsere Tätigkeit ist für das Leben der jungen Menschen, die sich für unsere Hochschule entschieden haben. In dem Sinne hat es große Freude gemacht, gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen aus unseren Fachbereichen, aus der Verwaltung und den Einrichtungen, neue Räumlichkeiten zu schaffen, umzubauen und wertvolle Arbeitsplätze zu kreieren. Das ist aber tatsächlich nur eine Facette der vielen Dinge, die Spaß gemacht haben.
Sehr betroffen war ich immer bei mutwilligen Zerstörungen, Ereignissen, von denen auch wir leider nicht verschont geblieben sind. Seien es Einbrüche oder Vandalismus oder auch völlig unerwartete Ereignisse wie Rohbrüche oder Brände. Völlig überschwemmte Kellerräume waren auch furchtbar für mich. Da habe ich tatsächlich auch als ‚Profi‘ immer massive Schmerzen empfunden und bin froh, dass solche Ereignisse sehr selten auftraten. Na ja, und der klassische Bürokratismus, bis man dann mal ein neues Gebäude in Betrieb nehmen kann, hat mich auch durchaus genervt. Wenn man zig Seiten für den Bauantrag abzeichnen muss und Ewigkeiten auf die Baugenehmigung warten muss und Ausschreibungen mit gigantischem Aufwand abwarten muss – es vergeht dabei so viel wertvolle Zeit und manchmal wird es dann teurer oder das Geld ist weniger geworden. Aber wenn das Gebäude dann steht und funktioniert, dann ist die Freude immer groß gewesen!“
3. Was war das größte Bauprojekt, das Sie während Ihrer Karriere durchgeführt haben?
„Ein so richtig großes Bauprojekt, wie z.B. der Neubau eines Standortes habe ich tatsächlich nicht betreut. Immer ging es um Erweiterungen und Verbesserungen für Forschung und Lehre.
Ich durfte drei große Bauprojekte meines Vorgängers zu Ende führen. Das waren der Umbau der Mensa in der Sonnenstraße, der Bau des so genannten Hauses F, einem Gebäude in dem sich Motorenprüfstände, Laboratorien, aber auch Büros, ein großer Hörsaal und der Senatssitzungsraum der Hochschule befinden und die KostBar, einem Gebäude, das Mensa und großen Hörsaal enthält. ‚Selbst gebaut‘ habe ich zusammen mit BLB tatsächlich den ersten hochschuleigenen Bau, finanziert aus den damaligen Studiengebühren, und diverse FH-Plus-Gebäude, um überhaupt den steigenden Studierendenzahlen gerecht zu werden.“
4. Vor welche Herausforderungen haben diese Projekte Sie und Ihr Team gestellt?
„Zu Beginn meiner Tätigkeit im Facilitymanagement hatten wir keine Abteilung Technisches Gebäudemanagement. Ein Teil unserer Gebäude wurde mit Hilfe der TU betrieben. Mit dem Rest haben wir Verwaltungsleute und die Kollegen aus den Werkstätten der Fachbereiche unser ‚Glück versucht‘. Dabei haben wir wirklich viel Glück gehabt und das konnte im Rahmen der Erweiterung unseres Gebäudebestandes nicht mehr so fortgeführt werden. Eine Bauabteilung gab es ebenfalls nicht. Nur mit Hilfe der Unterstützung durch den BLB ist es in den Anfängen gelungen, die notwendigen Gebäude zu errichten und instand zu halten. Nur so konnten dann auch die neuen Gebäude errichtet werden. Mittlerweile ist unsere Struktur professionell, wenn auch knappe personelle und finanzielle Ressourcen unsere Arbeit begleiten.“
5. Wie hat sich Ihre Arbeit im Laufe der Jahre entwickelt/verändert?
„Die Anforderungen an das Facilitymanagement sind im Laufe der Jahre deutlich gestiegen. Die Haushaltsmittel wurden knapper, die Aufgaben mehr. Nennen möchte ich neben der EEG-Umlage, die uns jahrelang zusätzlich finanziell belastet hat, die Prüfpflichten des Trinkwassers, der ortsveränderlichen und ortsfesten Elektrogeräte und -anlagen, generell die deutlich gestiegenen Arbeitssicherheitspflichten. Für viele neue Aufgaben unterblieb leider eine Erhöhung der Finanzmittel, was die Hochschule meines Erachtens vor große finanzielle Herausforderungen gestellt hat und immer mehr stellt.
Aber auch die im Laufe der Zeit leider immer häufiger auftretenden Rauigkeiten im Umgang der Menschen untereinander stellen neue Herausforderungen dar. Die Zahl der Themen unserer Arbeit hat sich deutlich erhöht. Wer hätte 2007 daran gedacht, ein Energiemanagement einzuführen, seine Daten akribisch genau zu verfolgen und Abläufe und Verbräuche zu optimieren? Digitalisierung? Und vielleicht noch ein wirklich kleines Beispiel am Rande, das aber stellvertretend für so viele andere Veränderungen steht: Trinkwasserspender mit und ohne Kohlensäure sind heute Standard – selbst eine so kleine Aufmerksamkeit, die die Hochschule eingeführt hat, verlangt zusätzlichen personellen und finanziellen Einsatz. Und wir haben so viele neue Themenfelder bearbeitet und zu bearbeiten. Barrierefreiheit, Nachhaltigkeit, Diversität …“
6. Gibt es aus Ihrer Erfahrung heraus grundlegende Tipps & Tricks, die Sie neuen Bau- und Gebäudedezernenten mit auf den Weg geben können?
„Es sind immer die Menschen, die wichtig sind. Es sind die Menschen, für die wir betreiben und bauen und die Menschen, mit denen wir das gemeinsam machen. Wenn wir dies immer berücksichtigen und vorleben und das alle gemeinsam ‚leben‘, dann sollten wir den Großteil unserer Ziele erreichen. Es geht um unsere Hochschule, um unsere Studierenden! Oft tut es dabei gut, einen Schritt zurückzutreten, zu betrachten; eine Portion Demut hilft dabei.
Für meine Arbeit war auch die Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen des BLB sehr bedeutsam. Immerhin gehören die Gebäude dem BLB und Hochschulen und BLB tragen gemeinsam Verantwortung für die Liegenschaftes des Landes. Da läuft schon einiges besser, wenn man sich gut versteht und gemeinsam nach Kompromissen sucht.“
7. Bitte beschreiben Sie Ihre Karriere in drei Worten.
„Glück, Fleiß, Mensch sein.“
8. Was werden Sie am meisten vermissen?
„Oh, ganz klar, die Kolleginnen und Kollegen, die Studierenden, die vielen Kontaktpersonen innerhalb und außerhalb der Hochschule, also die Menschen, die um mich herum waren in diesen ungefähr 75.000 (Arbeits-)Stunden meines Lebens, auch vor der Zeit im Facilitymanagement.“
9. Haben Sie schon (Bau-)Pläne für den Ruhestand?
„Gebaut wird erstmal nichts mehr; das war genug für mich in den letzten 17 Jahren, wobei mich schon ein bisschen traurig macht, dass ich den Prozess der Fachhochschule Dortmund, Hochschule an einem Standort zu werden, nicht mehr weiter begleiten kann. Aber ich habe privat tatsächlich viel aufzuräumen und liegen Gebliebenes aufzuarbeiten. Da muss ich meiner eigenen Betreiberverantwortung erstmal gerecht werden. 😉 Und natürlich werden die Kontakte gepflegt und erweitert. Da mir Menschen sehr am Herzen liegen, bin ich guter Dinge, dass mir dies gelingen wird, natürlich in der Hoffnung, dass Glück und Gesundheit mich dabei unterstützen.“
Gez. Martin Hübner, 12.01.2025