Innovativ - Praxisnah - Zukunftsorientiert

Das Projekt „NeLe – Neue Lernwelten“ unterstützt die Entwicklung moderner Lernräume an Hochschulen in NRW. Es zeigt, wie zeitgemäße Raumkonzepte den Campus von morgen gestalten.

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10 Thesen zur zukünftigen Raum- und Flächengestaltung

Die hier vorgestellten Thesen zur zukünftigen Raum- und Flächengestaltung orientieren sich am aktuellen Diskurs zur Lehr- und Lernraumgestaltung. Die Thesen sollen Anlass zur Diskussion bieten und stellen keine unumstößlichen Fakten dar.

  1. Hochschulen in NRW bleiben Präsenzhochschulen

    Der Campus ist ein Ort der Begegnung, an dem offene Diskurse stattfinden und Hochschulangehörige eine Lern- und Wissensgemeinschaft bilden. Neben dem Wissenserwerb geht es um die gemeinsame Wissenskonstruktion. Klassische Hörsäle und Seminarräume werden durch Projekträume, Makerspaces und Lernlandschaften ergänzt, die vielfältige soziale Lernformen ermöglichen. Körperliche und haptische Erfahrungen nehmen auch in einer digitalen Welt einen höheren Stellwert ein.

    Literatur:

    • Bachmann, G., Brandt, S., Kaufmann, H. Röder, H., Schwander, U. und Škerlak, T. Der Campus von morgen. Lernumgebungen an der Hochschule. In T. Škerlak, H. Kaufmann und Gudrun Bachmann (Hrsg.), Auf dem Weg zum Campus von morgen. Münster: Waxmann, 2014.
    • Gibbs, R. W. (2006). Embodiment and cognitive science. Cambridge, England: Cambridge University Press.
  2. Projekt- und kompetenzorientiertes Lernen prägen den Campus der Zukunft

    Der Campus der Zukunft braucht mehr Orte für projekt- und kompetenzorientiertes Lernen, Lehren und Forschen. Kompetenzorientierte Lehren und Lernen basiert dabei auf Future Skills wie etwa Kommunikation, Kollaboration, Kreativität und Kritisches Denken.

    Literatur:

    • Bachmann, G., Brandt, S., Kaufmann, H. Röder, H., Schwander, U. und Škerlak, T. Der Campus von morgen. Lernumgebungen an der Hochschule. In T. Škerlak, H. Kaufmann und Gudrun Bachmann (Hrsg.), Auf dem Weg zum Campus von morgen. Münster: Waxmann, 2014.
    • Ehlers, U. (2020): Future Skills. Lernen der Zukunft – Hochschule der Zukunft. Wiesbaden: Springer. S. 46
  3. Digitale und hybride Lernformate unterstützen das Lernen auf und außerhalb des Campus

    Durch digitale Lernmaterialien, virtuelle Lernräume und Social Media greifen physische und digitale Lernumgebungen ineinander. Hybride Lernräume ermöglichen zeit- und ortsvielfältige Lehr- und Lernszenarien in unterschiedlichen Sozialformen. Eine mobile und diverse Studierendenschaft erfordert sowohl flexible als auch verbindliche Lehrarrangements. Durch Künstliche Intelligenz entstehen neue Services wie etwa intelligente Raumbuchungen oder virtuelle Lernbuddies.

    Literatur:

  4. Innovative Raumtypen verlangen Innovationen in der baulichen und räumlichen Planung von Hochschulgebäuden/-flächen

    Mit der zunehmenden Nutzung digitaler Medien verändern sich auch die räumlichen und baulichen Anforderungen, in denen Lehren und Lernen an Hochschulen stattfindet. Diese Entwicklung muss bei der Raum- und Bauplanung Berücksichtigung finden. Während Ersatz- oder Neubauten von vorne herein entsprechend geplant werden können und es hierfür bereits hervorragende Pilotbeispiele aus dem In- und Ausland gibt, ist die Anpassung bestehender Flächen in Bestandbauten eine Herausforderung, der sich auch der Eigentümer der Gebäude bewusst sein und stellen muss. Wichtig ist in Bestandsbauten zu erkennen, wo und wie sowohl Hörsäle und Seminarräume als auch Bibliotheken, Labore und/oder Aufenthaltsbereiche der Studierenden zu hybriden Lern-/Lehrräumen und Projekträumen umgestaltet werden können.

    Literatur:

    • Ellis, R. A. und Goodyear, P. (2016). Models of learning space: integrating research on space, place and learning in higher education. Review of Education. 4 (2), S. 149–191.
    • Kohls, C. (2023). Hybride Lernräume auf dem Campus der Zukunft. In: ABI-Technik : Zeitschrift für Automation, Bau und Technik im Archiv-, Bibliotheks- und Informationswesen, Jg. 43, Heft 1, S. 2 – 12
  5. Die Raumausstattung prägt das Lehr- und Lerngeschehen

    Die Raumausstattung legt bestimmte Handlungsmuster und Lehr-/Lernformate nahe und hat somit einen großen Einfluss auf Hochschullehre. Die physischen Aspekte einer Raumkonstellation (z.B. Anordnung von Tischen und Stühlen, Atmosphäre) beeinflussen, wie Lehren und Lernen stattfindet und stattfinden kann. Die Campusumgebung macht somit einige Verhaltensweisen wahrscheinlicher als andere, da die räumliche Ausstattung sowohl funktional als auch symbolisch eine Botschaft sendet, was in den Räumen geschehen soll.Trennwände, offene Seitenräume, Lernflächen für Gruppenarbeit und Breakout Sessions, das Kombinieren von Räumen und Raumnutzung für verschiedene Lernaktivitäten sowie flexibles Mobiliar prägen die Ausstattung moderner Lehr- und Lernorte.

    Literatur:

    • Strange, C. C. & Banning, J.H.. Educating by Design: Creating Campus Learning Environments That Work. San Francisco: Jossey-Bass, 2011.
    • Wertz, I. (2020). Zur Ausstattung moderner Lehr-/Lernort führt Inka Wertz im HIS-HE Medium 2 | 2020 „Zukunftsoreintiert Lernräume / S 49“
  6. Digitale Infrastruktur

    Auch die technische Ausstattung der Lernort muss einen hohen Stellenwert einnehmen. Neue Lehr- und Lernorte benötigen eine funktionierende Infrastruktur: flächendeckendes W-LAN (möglichst auch im Außenbereich), ausreichend Steckdosen, Versorgungsangebote (Cafeteria, Getränkeautomaten, Essensautomaten) und atmosphärisch Maßnahmen wie Pflanzen oder Bilder (man muss sich in Räumen wohlfühlen). Freizugängliche Bildschirme (oder interaktive Bildschirme) ermöglichen das Arbeiten mit digitalen Materialien in Gruppen.

    Literatur:

  7. Campusumfeld

    Auch auf kommende technische und didaktische Entwicklungen, die einen Einfluss auf das Campusleben, Lehre und Arbeit haben, muss durch innovative Lösungen schneller und flexibler als in der Vergangenheit reagiert werden können. Der Campus der Zukunft wird auch durch besondere Begegnungsräume, wie Sportflächen, Kulturräume, Begegnungsräumen unterstützt, die idealerweise mit umfassende Öffnungszeiten und auch gute gastronomische Versorgung verbunden sind. Dadurch verschwimmen die Grenzen zwischen Lernen, Arbeiten und Leben und erzeugen eine Campus- Atmosphäre, in der Kommunikation und Kollaboration im Mittelpunkt stehen.

  8. Vernetzung

    Flexibel nutzbare Räume und die Integration ins Stadtbild ermöglichen, dass Hochschulen in der Mitte der Gesellschaft sind. Neue Formate der Wissenschaftskommunikation, der Einbezug von Öffentlichkeit in Forschung und gerade in städtischen Räumen eine effiziente Nutzung der Ressource „Raum“ in Kooperation mit Unternehmen, und weiteren Bildungseinrichtungen machen die Hochschulen zu wichtigen Partnerinnen gesellschaftlichen Lebens.

    Literatur:

  9. Hochschulen als Lern- und Lebensraum

    Die Hochschule ist Lern- und Lebensraum. Eine hohe Aufenthaltsqualität, Rückzugsbereiche, Zwischenräume für Begegnungen, offene Labore und eigenverantwortliche Raumnutzung prägen das Campusleben. Lernlandschaften dienen als „Third Space“, als dritter Raum zwischen formaler Lernarbeit und privatem Zuhause. Ein Raum für entspannte Aufenthalte, in dem Freundschaften entstehen und Lernen spontan, zufällig, informell und gemeinsam mit Freunden geschieht.

    Literatur:

    • Bachmann, G., Brandt, S., Kaufmann, H. Röder, H., Schwander, U. und Škerlak, T. Der Campus von morgen. Lernumgebungen an der Hochschule. In T. Škerlak, H. Kaufmann und Gudrun Bachmann (Hrsg.), Auf dem Weg zum Campus von morgen. Münster: Waxmann, 2014.
  10. Seamless Learning

    Informelles und formale Lernsettings, die ineinandergreifen. Fließende Übergänge zwischen Lernformen, Sozialformen und Mediennutzung. Einbindung mehrerer Geräte. Physische und digitale Welt miteinander kombinieren. Allzeitiger Zugang zu Lernressourcen. Vielfältige pädagogische Ansätze miteinander verbinden. Bewusste Gestaltung von Lernerlebnissen und Settings für Lernerfahrungen.

    Literatur:

    • Wong, L.-H., & Looi, C.-K. (2011). What seams do we remove in mobile assisted seamless learning? A critical review of literature. Computers & Education, 57(4), 2364-2381.