Low Budget-Lösungen
Die Finanzierung von neuen Lernräumen wird oft deshalb zur Herausforderung, da es sich um einmalige bzw. unregelmäßige Investitionen handelt, die im regulären Haushalt nicht vorgesehen sind. Jenseits von Drittmittelförderung durch Länder oder Stiftungen bleibt Hochschulen und Fachbereichen somit nur der Weg über einen längeren Zeitraum Mittel anzusparen oder auf günstige Alternativen zu wechseln.
Folgende Low Budget-Lösungen kommen in Frage:
- Wiederverwendung existierender Möbel
- Up-Cycling existierender Möbel
- Ergänzung um wenige Sondermöbel
- Dekoration für eine verbesserte Atmosphäre
- Möbel selbst bauen (Bausätze, Werkstätten, als Studienprojekt)
1. Wiederverwendung existierender Möbel
Es müssen nicht immer neue Möbel sein! Durch das Umstellen von vorhandenem Mobiliar können bereits Impulse für neue Lernformate gegeben werden. Das Umstellen von Tischen und Stühlen als Lerninseln statt frontal ausgerichteter Sitzreihen führt bereits zu einer Lernumgebung, die eher zur Gruppenarbeit und zum Diskurs einlädt. Dabei reduziert sich ggf. die Anzahl der Möbel und es können die am Besten erhaltenen Stücke eingesetzt werden. Die Nutzung von Schränken als Raumteilern kann zu einer Untergliederung für verschiedene Lernaktivitäten eingesetzt werden. Auch die Ausrichtung von Möbeln kann schon einen Effekt haben, z.B. dass ein schöner Ausblick aus dem Fenster möglich wird. Für projektorientiertes Lernen eignet sich die Nutzung von alten Werkbänken als Gruppen-Stehtische. Manchmal finden sich auch noch alte Möbel eingelagert, die inzwischen als Retro-Stücke ihren eigenen Charme besitzen.
2. Up-Cycling
Auch beim Up-Cycling werden Möbel wiederverwendet, jedoch durch einfache Maßnahmen aufgewertet: Anstreichen von Stühlen und Tischen in bunten Farben, das Befestigen von Filzwänden oder Whiteboards an Schrank-Rückwänden, das Bekleben von Möbeln oder Wänden mit Zierfolie oder schlicht die neue Polsterung alter Möbel.
3. Ergänzung um wenige Sondermöbel
Wenn auf bestehendes Mobiliar zurückgegriffen wird, dann kann durch einige wenige ergänzende Anschaffungen ein Raum besonders aufgewertet werden:
– Offene Schränke mit Materialien
– Hochwertige Hocker für alte Werkbänke
– Mobile Raumteiler
– Arcade-Automat als spielerisches Element
– Theater- und Schulbühnen als Sitztribünen
4. Dekoration für eine verbesserte Atmosphäre
Die Atmosphäre eines Raumes ist oft genauso wichtig, wie die Möbel. Das Mobiliar selbst trägt zur Atmosphäre bei und kann einen informellen oder eher formalen Rahmen nahelegen, Einzelarbeit oder Gruppenarbeit besser ermöglichen und diskursive oder eher vermittelnde Settings fördern. Mit einigen wenigen Ergänzungen lässt sich die Raumatmosphäre auflockern und selbstorganisiertes Lernen unterstützen. Thematische Poster und Wandverzierungen können identitätsstiftend sein, Impulse geben, Wissen vermitteln oder einfach den Raum auflockern – z.B. mit künstlerischem oder humorvollem Anspruch. Auch Blumen und Pflanzen geben Räumen eine persönlichere Atmosphäre, dies gilt sogar für kostengünstige Kunstpflanzen. Wandregale mit Materialien könne bestimmte Arbeits- und Lernaktivitäten nahelegen und unterstützen, z.B. Regale mit Sticky Notes, Baumaterialien oder Fachwerken. Auch günstige Wohnzimmerelemente aus dem Möbelhaus tragen dazu bei, sich am Campus wohl und zuhause zu fühlen.
5. Möbel selbst bauen
Neben Möbel zum Selbstzusammenbauen (z.B. Baumärkte, Online-Handel oder Möbelketten) gibt es die Möglichkeit aus einfachen Baumaterialien Low-Budget-Möbel selbst und nach eigenen Plänen zu bauen. So dienen Getränkekisten mit Holzaufsatz als Hocker oder Transportpaletten als Bänke. Holzkisten aus dem Baumarkt können als Regale verwendet werden. Baumärkte bieten auch Holz-Tischplatten und Metallfüße im Industrie-Design an und erlauben die Ausstattung von Räumen mit sehr kleinem Budget, aber mit investierter Arbeitskraft. Wenn die Hochschule eigene Werkstätten, insbesondere Schreinereien, betreibt, können auch maßgeschneiderte Anfertigungen kostengünstig erstellt werden. In Studiengänge wie Design, Architektur, Produktion oder Ingenieurwissenschaften eignet sich das Anfertigen spezieller Möbel sehr gut als Studienprojekt. Die Studierenden entwerfen individuelle Möbel, die robust, nachhaltig, bequem und ausgefallen sein sollen.
Text: Prof. Dr. Christian Kohls

